
Nachdem die Teilnehmer unserer USA-Reise im Jahr 2023 restlos begeistert waren, haben wir uns entschlossen, den Sprung über den großen Teich erneut zu wagen. Am 9. September 2025 begann unsere zweite Fahrt in den mittleren Westen der USA: "Garrel goes America 2". Und auch diesmal werden hier viele Fotos und ausführliche Informationen zu finden sein, damit auch die "Daheimgebliebenen" verfolgen können, was wir auf unserer Reise erleben.
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9. September: Ankunft in Chicago
9./10. September: Milwaukee
11. September: Green Bay
12. September: Wausau (mit Stettin, Hamburg und Berlin)
13. September: Twin Cities (Minneapolis & St. Paul)
14. September: Meire Grove
15. September: Quad Cities
16. September: Springfield und Teutopolis
17./18. September: Seymour und Cincinnati
19. September: Oldenburg und Indianapolis
19.-21. September: Chicago

15. September: Quad Cities
Heute geht es über 500 km weiter zu den Quad Cities, einer Metropolregion im mittleren Westen der USA, bestehend aus 4 Städten in den Bundesstaaten Illionois und Iowa, die der Mississippi voneinander trennt. Es handelt sich um Moline (43.000 Einwohner), East Moline (21.000) und Rock Island (37.000) in Illinois sowie Davenport (101.000) und Bettendorf (39.000) in Iowa. Moment ... das sind doch 5 Städte! Können die Amerikaner etwa nicht zählen? - Doch, sie können. Der Name "Quad Cities" ist historisch bedingt. Als der Begriff in den 1930er Jahren entstand, umfasste die Gruppe tatsächlich nur vier Städte. Insbesondere ab den 1960er Jahren wuchs die Stadt Bettendorf erheblich und wurde zu einem integralen Bestandteil der Metropolregion. Trotz der Hinzunahme von Bettendorf und der Tatsache, dass die Region heute aus fünf größeren Städten und weiteren kleineren Gemeinden besteht, wurde der etablierte Name "Quad Cities" beibehalten. John Deere (1804 - 1886), gelernter Hufschmied und Erfinder des ersten selbstreinigenden Stahlpfluges, hat hier seine Firma gegründet, die noch heute ihren Hauptsitzes in Moline hat. Die Quad Cities waren übrigens der Standort der ersten Eisenbahnbrücke, die den Mississippi River überquerte. Sie wurde 1856 fertiggestellt.
Weil 500 km in einem Rutsch auch in unserem top ausgestatteten Reisebus viel Ausdauer erfordern, machen wir zwischendurch eine Rast im größten Rasthof der Welt: dem Iowa 80 Truckstop. Er erstreckt sich über 89 Hektar und bietet Parkplätze für 900 LKWs, sowie Busse und Autos. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1964 hat der Iowa 80 Truckstop seine Türen niemals geschlossen – nicht einmal an Feiertagen. Er ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche geöffnet. Es gibt ein großes Restaurant für 300 Gäste, ein Museum, zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten sowie Fitness- und Wellnessangebote für Mensch & Tier. Natürlich kann man hier auch tanken oder Strom laden und seinen LKW waschen lassen. Ein Paradies (nicht nur) für Trucker!

16. September: Springfield
Springfield und Teutopolis sind die beiden nächsten Ziele auf unserer Reise; von Davenport aus geht es zunächst etwa 250 km bis nach Springfield, Illinois. Dieser Ortsname gehört zu den häufigsten in den USA - es gibt etwa 80 Orte, die auch so heißen. Springfield bedeutet übersetzt etwa "Quellfeld" und beschreibt oft eine fruchtbare Landschaft, in der es Quellen oder Bäche gibt. Das machte es zu einem naheliegenden Namen für neue Siedlungen, der von Pionieren und Siedlern im ganzen Land verwendet wurde. Dieses Springfield ist mit etwa 120.000 Einwohnern die Hauptstadt des Bundesstaates Illinois. Wir machen hier Halt und besichtigen den "Oak Ridge Cemetery" - hier wurde Abraham Lincoln, der 16. Präsident der Vereinigten Staaten (und der erste republikanische) beigesetzt, nachdem er am 15.04.1865 in Washington D.C. an den Folgen des Attentats auf ihn verstarb. Lincoln lebte etwa 25 Jahre lang in Springfield und arbeitete dort als Rechtsanwalt, bevor er 1861 zum Präsidenten gewählt wurde. Seine Präsidentschaft gilt als eine der bedeutendsten, denn während seiner gesamten Amtszeit sah er sich gezwungen, einen Bürgerkrieg zur Wiederherstellung der Union zu führen, nachdem elf der sklavenhaltenden Südstaaten aus der Union austraten und die "Konföderierten Staaten von Amerika" bildeten.
Auf dem Schild steht:
Willkommen zur
LINCOLN GRABSTÄTTE
Hier, im Herzen unseres Landes, am Rande seiner Heimatstadt, befindet sich die letzte Ruhestätte von Präsident Abraham Lincoln, seiner Frau und drei ihrer Kinder. Die Lincoln-Grabstätte wurde mit Spenden aus den gesamten Vereinigten Staaten erbaut und ehrt das Andenken an den größten Präsidenten unserer Nation und an diejenigen, die mit ihm für eine neue Geburt der Freiheit kämpften.

16. September: Teutopolis
Nachmittags geht es mit dem Bus nochmals etwa 150 km weiter nach Teutopolis, die "Stadt der Deutschen". Allerdings ist diese Stadt eher ein kleines Dorf mit etwa 1.600 Einwohnern. Es wurde 1839 von deutschen Einwanderern gegründet, die hauptsächlich aus dem Herzogtum Oldenburg und dem Königreich Hannover in Deutschland stammten. Die deutschen Wurzeln sind hier überall sichtbar. Viele Einwohner haben immer noch deutsche Nachnamen, und das Erbe wird durch lokale Traditionen und Gebäude wie die St. Francis of Assisi Church gepflegt, die seit über 160 Jahren im Herzen der Stadt steht. Das Maskottchen der örtlichen Highschool sind Holzschuhe, eine direkte Anspielung auf die deutsche Herkunft und Geschichte des Ortes. Obwohl Teutopolis eine kleine Gemeinde ist, hat sie eine überraschend starke Wirtschaft mit zwei großen Produktionsstätten. Eine ist die Siemer Milling Company, ein großer Mühlenbetrieb, der Weizen zu Mehl verarbeitet. Die Firma ist ein wichtiger Zulieferer für Bäckereien und Lebensmittelhersteller in der gesamten Region. Rick Siemer, den Besitzer, werden wir heute noch treffen. Ein weiterer wichtiger Arbeitgeber ist Stevens Industries: Das Unternehmen ist einer der größten Hersteller von Möbeln und Schränken aus Holz und Holzwerkstoffen in den USA.
Wir bedankten uns für den herzlichen Empfang, den Geschenken und dem Mittagsbüfett mit mit einer gut gefüllten Heimatvereinstasche inklusive Amerikatropfen.

17. September: Seymour
Nach dem herzlichen Empfang in Teutopolis geht es heute etwa 400 km weiter nach Cincinnati im Bundesstaat Ohio. Unterwegs kommen wir durch einen weiteren Bundesstaat, Indiana, und machen Rast in Seymour, einer Kleinstadt mit etwa 21.000 Einwohnern. Hier gibt es zum Beispiel das jährliche Seymour Oktoberfest, das die deutschen Wurzeln der Region feiert. Der Ort wurde 1852 von Meedy Shields gegründet, der den Ingenieur Hezekiah Seymour überredete, eine Eisenbahnlinie durch sein Land zu bauen. Als Gegenleistung benannte Shields den Ort zu seinen Ehren. 1866 ereignete sich in Seymour ein historisches Verbrechen: Die berüchtigte Reno Gang führte hier den weltweit ersten Zugüberfall auf einen fahrenden Zug durch. Die Gang wurde zwar gefasst, aber ihre Tat hat sich in die Geschichte der Stadt eingebrannt. Seymour ist außerdem die Heimatstadt des berühmten Rock- und Folksängers John Cugar Mellencamp. Seine Musik, die oft das Leben in Kleinstädten in den USA thematisiert, ist tief in seiner Heimat Indiana verwurzelt. Das Lied "Small Town" ist direkt von seiner Kindheit in Seymour inspiriert. Das "Schwätzer's Restaurant & Gasthaus" ist ein bekanntes deutsches Restaurant in Seymour. Hier machen wir Mittagspause.
Bleibt noch eine offene Frage: Warum heißt es "Schwätzer's"? Der Name soll eine humorvolle Anspielung auf eine geschwätzige Person sein, was gut zur gemütlichen und geselligen Atmosphäre des Restaurants passt. Das das Wort bei uns eher negativ behaftet ist, weiß dort zum Glück niemand...

17. / 18. September: Cincinnati
Gut gestärkt geht es weiter Richtung Cincinnati. Die Stadt wurde nach Lucius Quinctius Cincinnatus benannt, einem römischen Bauern aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., der zum Diktator ernannt wurde, um Rom in einer militärischen Krise zu retten. Dies gelang ihm innerhalb von nur 15 Tagen, danach gab er seine Macht wieder ab und kehrte zu seinem Bauernhof zurück. Er galt als das Idealbild des Bürgers, der dem Gemeinwohl dient, ohne nach persönlichem Ruhm zu streben. Der Name wurde im Jahre 1790 gewählt, weil auch die amerikanischen Offiziere nach dem Unabhängigkeitskrieg ihre Waffen niederlegten und in ihr ziviles Leben zurückkehrten. Cincinnati ist die "deutscheste Stadt Amerikas": Im 19. Jahrhundert wanderten Tausende Deutsche in die Stadt ein. Das Viertel "Over-the-Rhine" erhielt seinen Namen, weil es die Deutschen an das Überschreiten des Rheins erinnerte, wenn sie den Miami and Erie Canal überquerten. Eine Anekdote zum Schluß: Im 19. Jahrhundert war Cincinnati das Zentrum der amerikanischen Schweineverarbeitung und wurde scherzhaft "Porkopolis" genannt. Dieser historische Hintergrund wirkt bis heute in der lokalen Küche nach, insbesondere auf die berühmte "Goetta", eine "german Wurstart" aus Schweinefleisch und Haferflocken. Genau: Götte.
Das "Oktoberfest Zinzinnati" ist das größte Oktoberfest der Welt außerhalb von München. Der Name der Stadt ist übrigens absichtlich falsch geschrieben: "Zinzinnati" ist eine phonetische Anspielung auf die Art und Weise, wie ein deutscher Einwanderer das Wort "Cincinnati" aussprechen würde. Diese Schreibweise ist eine scherzhafte, aber liebevolle Anerkennung der deutschen Wurzeln vieler Einwohner.
Nach dem Oktoberfest und dem verpassten Spiel der Reds geht es zurück Richtung Hotel. In unmittelbarer Nähe davon befindet sich der berühmte Foutain Square, dem Herzstück des Stadtzentrums von Cincinnati. Er dient als zentraler Treffpunkt für Einwohner und Touristen und ist bekannt für den Tyler-Davidson-Brunnen: die 13 Meter hohe Bronzestatue ist eine Hommage an die Bedeutung des Wassers für die Stadt. Der Fountain Square ist ein belebter Ort mit ganzjährigen Veranstaltungen, wie Live-Musik und Tanz. Es gibt zahlreiche Restaurants und Geschäfte, unter anderem "Graeter's", wo wir uns ein Eis zum Abkühlen gönnen ... es sind gefühlt immer noch 30 Grad hier ...

19. September: Oldenburg
Etwa 75 km von Cincinnati entfernt liegt Oldenburg im Bundesstaat Indiana. Das beschauliche Örtchen mit nur etwa 750 Einwohnern wurde 1837 von Johann Ronnebaum aus Damme und Johann Heinrich Plaspohl aus Vestrup gegründet. Weitere Einwanderer kamen vor allem aus dem Oldenburger Münsterland. Zwei weitere historisch bedeutsame Personen stammen aus Österreich. In den 1840er Jahren kamen Franz Joseph Rudolf, ein Priester aus Straßburg, und die Ordensschwester Theresa Hackelmeier als Einwanderer nach Oldenburg. Rudolf veranlasste im Jahre 1848 den Bau der ersten Kirche in Oldenburg, der "Holy Family Church". Schwester Theresa gründete 3 Jahre später das Kloster "Sisters of St. Francis of Oldenburg". Dieser Ursprung prägt das Dorf bis heute, weswegen es als "Dorf der Kirchtürme" bekannt ist. Dies wird uns bei der Fahrt über die Main Street (Hauptstraße) schnell klar: für so einen kleinen Ort gibt es hier überraschend große kirchliche Gebäude. Aber nicht nur das: der Ortskern von Oldenburg wurde 1983 in das "National Register of Historic Places" (vergleichbar mit den Verzeichnissen von denkmalgeschützten Gebäuden der deutschen Bauaufsichtsbehörden) aufgenommen. Das Viertel umfasst 115 historische Gebäude, von denen die meisten vor 1900 gebaut wurden.
Übersetzt steht sinngemäß auf dem Schild:
STADT OLDENBURG
Die erste Besiedlung erfolgte 1817 durch William George aus Pennsylvania.
Die Ortschaft wurde 1837 von J. Henry Ronnebaum und Henry Plaspohl gegründet.
Benannt nach dem Herzogtum Oldenburg in Deutschland, aus dem sie stammten.
Die erste Kirche und Schule wurden 1837 erbaut.
Das erste Postamt wurde 1845 errichtet.
1869 zur Stadt ernannt, mit Ben Flodder als Stadtratspräsident.
Der Grundstein für das Rathaus wurde an Washingtons Geburtstag 1878 gelegt.

19. September: Indianapolis
Auf dem Weg zu unserem letzten Reiseziel machen wir - etwa 110 km von Oldenburg entfernt - einen kurzen Zwischenstopp in Indianapolis, der Haupstadt des Bundesstaates Indiana mit fast 900.000 Einwohnern. Wobei das streng genommen nicht ganz richtig ist, denn wir fahren in die Kleinstadt Speedway, die allerdings von Indianapolis vollständig umschlossen ist. Speedway wurde erst 1926 gegründet und sollte als Stadt gebaut werden, die autofreundlich ist und das zu einer Zeit, als noch nahezu alle Straßen im angrenzenden Indianapolis aus Ziegelsteinen bestanden. Hier befindet sich der weltberühmte "Indianapolis Motor Speedway", wo an diesem Wochenende ein Langstreckenrennen, der "Battle on the Bricks" stattfindet. Der Begriff "Bricks" (dt. "Ziegelsteine") ist eine Anspielung auf den Spitznamen der Rennstrecke, "The Brickyard" (dt. "Die Ziegelfabrik"). Dieser Name stammt daher, dass die ursprüngliche 2,5-Meilen-Ovalstrecke (4 km) im Jahr 1909 mit 3,2 Millionen Ziegeln gepflastert wurde. Obwohl der größte Teil der Strecke inzwischen asphaltiert ist, verläuft am Start- und Ziellinie noch ein etwa drei Fuß breiter Streifen der originalen Ziegelsteine. Das Indianapolis 500, ein Rennen über 500 Meilen (805 km), ist ein nationales Fest in den USA. Hunderttausende Zuschauer strömen jedes Jahr auf die Tribünen, um das Spektakel live zu erleben.

19.-21. September: Chicago
Nach dem kurzen Aufenthalt auf der Rennstrecke geht es noch einmal 300 km weiter zu unserer letzten Reisestation: Chicago, drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten mit etwa 2,7 Mio. Einwohnern in der Stadt selbst und weiteren 6 Mio Einwohnern in der Metropolregion. Chicago gilt als die Wiege der modernen Architektur. Das erste Hochhaus der Welt, das sogenannte Home Insurance Building, wurde 1885 in Chicago fertiggestellt, hatte 10 Stockwerke und war 42 Meter hoch. Wenige Jahre später wurde es um 2 Stockwerke vergrößert und wuchs auf 55 m an. Das aktuell höchste Gebäude in Chicago ist der Willis Tower, der von 1974 bis 1998 das höchste Gebäude der Welt war. Es hat 108 Etagen, ist 442 Meter hoch bis zum Dach und hat inklusive der Antennen eine Gesamthöhe von 527 Metern. 1837 zur Stadt ernannt, spielten deutsche Einwanderer eine entscheidende Rolle beim Aufbau und der Entwicklung Chicagos im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Zwischen 1850 und 1890 waren Deutsche die zahlenmäßig größte Einwanderungsgruppe in den USA, und Chicago war ein zentrales Ziel. Um 1900 hatte fast jeder vierte Einwohner Chicagos entweder deutsche Wurzeln oder war direkt aus Deutschland eingewandert. Unzählige prominente Personen wurden in Chicago geboren, darunter auch Robert Francis Prevost, der seit dem 8. Mai 2025 vielen besser als Papst Leo XIV bekannt ist.
Auf dem Weg zum Hotel können wir das Lichtermeer der Chicagoer Großstadt genießen. Zum Abschied des Heimatvereins gab's ein großes Feuerwerk am Navy Pier...😉
Fotos: Günter Buschenlange & Agnes Meyer
Text: Wolfgang Tönnies, Sept. 2025




































































































































