Vorfahren wanderten in die USA aus
Geschichtliches: Ted Wendeln aus Ohio auf Spurensuche in Garrel und der Region - Ahnen brachen 1833 auf
Garrel, 24.09.2024. Ein Hauch von Geschichte weht durch Garrel, als Ted (Theodor Bernhard) Wendeln aus Dayton, Ohio, in die Heimat seiner Vorfahren zurückkehrt. Der 77-Jährige ist ein direkter Nachkomme der Familie Johann Wilhelm Wendeln, die 1833 von Garrel nach Amerika auswanderte. „Es fasziniert mich, zu erfahren, wer diese Menschen waren und warum sie die beschwerliche Reise in die USA antraten“ erzählt Ted. Mit seiner Reise möchte er mehr über seine Wurzeln erfahren. Seine Ahnen, Johann Wilhelm Wendeln mit seiner Frau Maria Gertrud, geb. Schürmann (aus Bethen) und ihre acht Kinder, brachen unter schwierigen Bedingungen in die Neue Welt auf. Den Recherchen von Günter Buschenlange, Vorsitzender des Heimatvereins Garrel, zufolge gehörten die Wendelns mit zu den Ersten, die als komplette Familie aus Garrel in die neue Welt ausgewandert sind. Im Garreler Taufregister ist vermerkt: „...den 8ten Merz 1833 nach America“.
Die Auswanderung
Von Garrel aus reisten sie nach Bremen, wo sie per Segelschiff nach New Orleans übersetzten, bevor sie sich flussaufwärts nach Cincinnati und schließlich nach Minster, Ohio, durchschlugen - die 1832 von Franz Joseph Stallo aus Damme gegründete Stadt „Stallotown“ und später umbenannt in Minster. „Es ist beeindruckend, welch weite Strecken sie zurückgelegt haben, mit all den Risiken, die eine Reise in den 1830er Jahren mit sich brachte“ staunt Ted Wendeln.
Die Familiengeschichte Ist für ihn ein zentrales Thema. Während er über die deutsche Herkunft seiner Mutter aus Freiburg bereits viel erfahren hat, waren die Ursprünge der väterlichen Linie bisher weitgehend unbekannt. Schon 1966, als er als amerikanischer Soldat in Bremerhaven ankam, hatte er den Wunsch, mehr über die Region und Geschichte seiner Vorfahren zu erfahren. Damals führte ihn der Weg jedoch direkt nach Bad Kreuznach bei Frankfurt. Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, wandelt er auf den Spuren seiner Familie. Eine besondere Erkenntnis brachte Ted Wendeln schon vor einigen Jahren der Austausch mit Freunden der Luftwaffe, die Minster besuchten und die Ähnlichkeit der Landschaft zwischen dem Oldenburger Münsterland und der Region um Minster hervorhoben. „Das kann ich jetzt nur bestätigen“, sagt der US-Amerikaner. Diese Parallele erkläre auch, warum so viele Menschen aus der Region um Garrel nach Minster, Ohio, gezogen seien.
Erste Generation Farmer
In Minster machten die Wendelns das wilde Land urbar, rodeten Wälder und entwässerten Sümpfe. „Die ersten Generationen meiner Familie waren Farmer“ berichtet Wendeln. Der Glaube spielte eine zentrale Rolle. Und jetzt, da er den Weg von Garrel bis zur St. Andreas-Kirche nach Cloppenburg kennt, den seine Vorfahren zu Fuß auf sich nahmen, sagt er: „Jetzt verstehe ich, warum sie es in Ohio als Erstes für nötig hielten, Klöster mit Schulen und auch Kirchen zu bauen.“
Eine besondere Verbindung spürte Ted Wendeln auch auf dem Garreler Friedhof, als er bekannte Familiennamen wie Tangemann oder Drees entdeckte. „Nach meinen Recherchen wanderten mehrere Familien in dieser Zeit aus“ erläutert Günter Buschenlange. „Ich weiß von einer Familie Drees und Meyer, die ebenfalls als ganze Familie nach Amerika gingen.“
Besuch bei Verwandten
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch bei der Garreler Verwandtschaft. Ob beim Fußballspiel von Michael Wendeln oder bei Gesprächen mit Hilde und Paul Wendeln - Ted Wendeln fühlt sich in der alten Heimat seiner Familie willkommen. Für ihn ist diese Reise eine Rückkehr zu seinen Ursprüngen. Den Aufenthalt in Garrel hat er deshalb verlängert. „Jetzt verstehe ich, warum wir so sind, wie wir sind“ sagt er nach den ersten Tagen dankbar. Seine Reise geht aber noch weiter - nach Bad Kreuznach, wo er einst stationiert war, und Freiburg, die Heimat seiner mütterlichen Vorfahren. Ein Rückflugticket hat er noch nicht. Ted will sich Zeit nehmen, um alles zu dokumentieren und an die nächste Generation weiterzugeben.
Quelle: Nordwest-Zeitung vom 24.09.2024
Text und Fotos: Yvonne Högemann


