Nachdem die Teilnehmer unserer USA-Reise im Jahr 2023 restlos begeistert waren, haben wir uns entschlossen, den Sprung über den großen Teich erneut zu wagen. Am 9. September 2025 begann unsere zweite Fahrt in den mittleren Westen der USA: "Garrel goes America 2". Und auch diesmal werden hier viele Fotos und ausführliche Informationen zu finden sein, damit auch die "Daheimgebliebenen" verfolgen können, was wir auf unserer Reise erleben.

Per Klick auf unsere Reisestationen geht's direkt zu den jeweiligen Fotos:

9. September: Ankunft in Chicago
9./10. September: Milwaukee
11. September: Green Bay
12. September: Wausau (mit Stettin, Hamburg und Berlin)
13. September: Twin Cities (Minneapolis & St. Paul)
14. September: Meire Grove 
15. September: Quad Cities
16. September: Springfield und Teutopolis
17./18. September: Seymour und Cincinnati
19. September: Oldenburg und Indianapolis
19.-21. September: Chicago

 

Ankunft in Chicago

Geschafft! Nach einem mehrstündigen und zum Glück ruhigen Flug ist unsere Reisegruppe wohlbehalten in den Vereinigten Staaten angekommen. Gelandet sind wir auf dem O'Hare International Airport. Doch bevor die Rundfahrt durch den mittleren Westen beginnen kann, sind noch ein paar Dinge zu erledigen: Koffer suchen (zum Glück auch gefunden...), Einreisebehörde, ab in den Bus und etwa 1,5 Stunden Fahrt zu unserer ersten Reisestation in Milwaukee, wo wir uns im Hotel von der durchaus anstrengenden Anreise erholen können.

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Landung in Chicago nach mehrstündigem Flug. Endlich! Wer dieses Foto wohl gemacht hat ... Günter war's jedenfalls nicht, der wurde an Bord gesehen...
Warten auf's Gepäck. Zum Glück ist nichts verloren gegangen, auch die Reiseteilnehmer waren - nach erfolgreichem Durchzählen - vollzählig.
Günter Buschenlange und Dr. Wolfgang Grams vor unserem Bus, der uns zur ersten Reisestation bringt: Milwaukee. Dort warten kühle Blonde auf uns...

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9. / 10. September: Milwaukee

Nach unserer Ankunft fahren wir zunächst mit dem Reisebus nach Milwaukee, wo wir unsere erste Nacht im Hotel verbringen. Milwaukee ist die größte Stadt im Bundesstaat Wisconsin mit etwa 570.000 Einwohnern. Der Name "Milwaukee" stammt vermutlich vom indigenen Stamm der Potawatomi und bedeutet "Versammlungsort am Wasser" - gemeint ist der Milwaukee-River, der hier in den Michigansee mündet. Die Stadt ist auch unter den Spitznamen "Brew-City" und "German Athens" (Deutsch-Athen) bekannt. Brew-City, weil es hier etliche Brauereien gibt, die wir uns noch anschauen werden. Inklusive Verköstigung, versteht sich. Und German Athens, weil es im späten 19. Jahrhundert zu einem Zentrum der deutschen Kultur, Bildung, Kunst und Architektur in den USA wurde. Im 19. Jahrhundert strömten Hunderttausende deutsche Einwanderer nach Milwaukee. Bis 1880 machten gebürtige Deutsche etwa ein Viertel der Bevölkerung der Stadt aus, die höchste Konzentration einer einzelnen Einwanderungsgruppe in einer großen amerikanischen Stadt.

Blick aus dem Bus auf die Gesu-Kirche (Gesu - nicht Jesu; kein Druckfehler!), die ab 1893 vom in Deutschland geborenen Architekten Henry C. Koch erbaut wurde.
Im Hintergrund die St. James' Episcopal Kirche aus dem Jahr 1867; hinter der Ampel das Victorious Charge, ein Kriegerdenkmal im Gedenken an den Bürgerkrieg.
Die Trinity Evangelical Lutheran Church wurde ab 1878 erbaut. Die Kirchengemeinde wurde von preußischen Einwanderern aus Pommern gegründet.
Ein wenig Kultur gefällig? Blick auf das Milwaukee Theatre, das seit 2017 "Miller (der mit der Brauerei) High Life Theatre" heißt. Von ABBA bis Zappa sind hier so ziemlich alle Künstler aufgetreten.
Kultur 2: Der Quadracci-Pavillon des Milwaukee Art Museum, fertiggestellt im Jahr 2001. Es beherbergt unter anderem die berühmten Campbells-Suppendosen von Andy Warhol und natürlich auch klassische Gemälde.
Kultur 3: Viele von Auswanderern (Miller, Pabst, Schlitz ...) gegründete Brauereien tummeln sich hier im Brewery District. Das eingangs erwähnte "kühle Blonde" hat sehr gut geschmeckt...

Auf unserer Stadtrundfahrt erfahren wir allerhand Wissenswertes, insbesondere auch über die vielen Brauereien. Milwaukee hat eine lange Brauereigeschichte, die tief in der Einwanderungswelle deutscher Brauer im 19. Jahrhundert verwurzelt ist. Diese Brauer brachten ihre Expertise und Traditionen mit und trugen maßgeblich dazu bei, dass Milwaukee zur "Bierhauptstadt Amerikas" wurde. Im 19. Jahrhundert entstanden in der von deutschen Einwanderern geprägen Stadt zahlreiche Brauereien. Namen wie Frederick Miller, Joseph Schlitz und die Pabst Brewing Company (ursprünglich von den Gebrüdern Best gegründet) wurden zu landesweit bekannten Marken in der Bierbranche. Im Laufe des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wuchsen diese Brauereien enorm. Sie belieferten nicht nur den lokalen Markt, sondern expandierten landesweit. Einige von ihnen, wie Blatz, waren Pioniere in der Flaschenabfüllung und im bundesweiten Vertrieb. Der Slogan "Schlitz, the beer that made Milwaukee famous" (Schlitz, das Bier, das Milwaukee berühmt machte) zeugt von der enormen Bedeutung der Brauereien für die Stadtidentität. Bis zur Prohibition in den 1920er Jahren - viele Brauereien mussten ihre Produktion umstellen oder sogar schließen. Auch wenn die großen, historischen Brauereien heute nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher haben, erlebt Milwaukee eine Renaissance der Craft-Bier-Kultur. Zahlreiche kleinere, unabhängige Brauereien und Brauhäuser sind entstanden, die die Tradition des Bieres in der Stadt fortführen und mit neuen, innovativen Biersorten die Szene beleben. Prost!

Nein, das ist kein Foto aus Rügen, das versehentlich hier hereingerutscht ist. Wir sind am Lake Michigan und machen eine Rast.
Füße vertreten und abkühlen, das Bier verdauen ... so lässt es sich aushalten, zumal wir angenehmes warmes Wetter haben.
Auch unsere Mitreisenden Elke Heile und Diane Brunklaus stecken ihre Füße ins kühle Nass.
Empfang im großen Ratssaal des Rathauses von Milwaukee. Ermöglicht hat uns den Besuch der Stadtabgeordnete Peter Burgelis, der aber leider verhindert war. Daher wurden wir von Jim Owczarski empfangen, der Verwaltungschef in Milwaukee ist.
Das Stadtsiegel als prächtiges Fensterbild
Günter überreicht Geschenke von der Gemeinde Garrel und vom Heimatverein an Jim Owczarski.

 

Auch dieses Gebäude wurde von Henry C. Koch erbaut, der sich das Hamburger Rathaus zum Vorbild nahm. Baubeginn war 1895.

Der Empfang durch Mr. Owczarski war herzlich und unterhaltsam.
Gruppenfoto im Ratssaal

Nach dem offiziellen Teil geht es weiter zum Harley-Davidson-Museum, das 2008 eröffnet wurde. Während die Marke heute Kultstatus hat, waren die Anfänge weitaus bescheidener. Die Geschichte begann im Jahr 1903, als William S. Harley und Arthur Davidson in einem kleinen Schuppen in Milwaukee einen kleinen Motor für ein Fahrrad entwickelten. Der erste Prototyp war kein Erfolg, da das Fahrrad ohne zu Treten keine Hügel erklimmen konnte. Nach Verbesserungen an dieser amerikanischen "Maria-Hilf-Variante" gewann Harley 1905 ein Rennen in Chicago mit seinem Prototyp. Noch im selben Jahr begann die "Massen"-Produktion mit sage und schreibe 8 Motorrädern. Doch bereits 1920 war Harley-Davidson der größte Motorradhersteller der Welt mit Händlern in 67 Ländern.

Für Motorradfans ein Muss: der Harley-Davidson-Stammsitz in Milwaukee, gegründet im Jahre 1908

Das allererste Harley-Davidson Motorrad, der "Silent Grey Fellow" (stiller grauer Kerl) von 1903, war im Grunde ein modifiziertes Fahrrad mit einem einfachen Einzylindermotor. Mit nur 40 km/h Höchstgeschwindigkeit und einer eher unauffälligen Lackierung erhielt es seinen Spitznamen. Heute sehen Harleys nicht mehr ganz so unauffällig aus.

Wollte Günter nicht vor 2 Jahren einen Lincoln kaufen? Und jetzt eine Harley? Netter Versuch; der Kassenwart sagt auch diesmal: Nein.
Ob man so ein Kunststück mit einer schweren Harley machen kann?

Die Skulptur vor dem Harley-Museum trägt den Titel "The Hill Climber" (der Bergsteiger). Sie zeigt einen furchtlosen Motorradfahrer, der auf einer "Hillclimb"-Maschine einen steilen Hügel erklimmt. Gezeigt wird der Moment, in dem der Fahrer, nur mit einer Hand am Lenker, fast nach hinten kippt (und kurz darauf stürzt). Ob man so etwas mit einer heutigen Harley machen kann oder machen sollte?

Zum Abschluss besuchen wir die Milwaukee Turners, die amerikanisierte Bezeichnung für "Turnverein Milwaukee", wie es noch immer über dem Eingang zu lesen ist. Der Verein ist eine der ältesten und bedeutendsten zivilen Organisationen in Milwaukee und wurde 1853 von deutschen Einwanderern und politischen Flüchtlingen, die vor den Repressionen der deutschen Revolutionen von 1848 flohen, als "Sozialer Turnverein"gegründet. Der Verein widmete sich nicht nur der körperlichen Ertüchtigung durch Turnen und Gymnastik, sondern auch der intellektuellen und sozialen Bildung. Die Mitglieder waren oft politisch aktiv und engagierten sich für soziale Gerechtigkeit; einige davon wurden als Leibwächter auf Abraham Lincolns Reisen eingesetzt. Übrigens wurde auch dieses Gebäude nach Plänen des Architekten Henry C. Koch gebaut.

Unsere Reisegruppe vor dem Turnverein Milwaukee
Günter Buschenlange, Malte Thoben und Agnes Meyer

Malte Thoben ist als Austauschstudent (Fachinformatik / Systemintegration) in Madison, der Hauptstadt von Wisconsin, und seit 4 Wochen hier. Er fragte, ob er sich mit uns treffen dürfe und würde sich freuen, Leute aus der Heimat zu sehen. So hat er den Tag mit uns verbracht und konnte Interessantes von seinem Leben hier und seinem Studium berichten.

Günter überreicht zum Abschied Geschenke für den Verein

Übergabe der Geschenke, unter anderem unsere berühmten Amerika-Tropfen, an den Chef des Turnvereins (2. von rechts); neben Günter steht Prof. Viktoria Bilic (Professorin an der University of Wisconsin-Milwaukee); ganz rechts: Matthias Jonas, Chef einer Consulting Firma in Milwaukee, lebt seit 24 Jahren in den USA.

... und Abschied von Milwaukee. Weiter geht's!

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11. September: Green Bay

Unsere Reise geht weiter und wir fahren etwa 190 km entlang des Lake Michigan bis wir Green Bay erreichen. Die Stadt verdankt ihren Namen ("Grüne Bucht") der grünen Farbe des Wassers in der Bucht des Michigansees, an der die Stadt liegt. Green Bay wurde 1634 von Jean Nicolet als Pelzhandelsplatz gegründet und ist damit die älteste europäische Siedlung in Wisconsin. Während die Stadt in früheren Zeiten ein Zentrum für die Holz-, Schifffahrts- und Papierindustrie war, sind heute die wichtigsten Wirtschaftszweige die Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung, Verpackung und Papierherstellung. Die Stadt hat heute etwa 100.000 Einwohner - einer von Ihnen ist Zack Snyder, ein nicht ganz unbekannter Regisseur von Comic- und Superheldenverfilmungen. Weltweit bekannt ist die Stadt aber für ihr Football-Team: Die Green Bay Packers, das einzige NFL-Team, das im Besitz seiner Fans ist. Die Packers sind eine gemeinnützige Organisation und die Fans besitzen Aktien des Teams. Eine weitere Besonderheit: Green Bay ist die zweitkleinste Stadt in den USA, die ein Team in der National Football League (NFL) beherbergt, das mit zahlreichen Meisterschaften und Super Bowl-Siegen außerordentlich erfolgreich ist.

Das legendäre Stadion der Green Bay Packers: das Lambeau Field, das ca. 81.000 Zuschauern Platz bietet
Zwei top ausgestattete Packers-Fans, flankiert von Maria Westerhoff und Doris Ströer. Nur ein sehr, sehr wichtiges Fan-Accessoire fehlt...
... der Käsehut. Genau. Ein Käsehut. Zweifelsfrei steht Wolfgang Grams der Käsehut ziemlich gut.
Vor dem Lambeau Field treffen wir auf Bill Loppnow (links mit dem Baseball-Cap). Er begleitet uns nach Wausau und wird dort die Zeit mit uns verbringen.
Bill ist ein begeisterter Plattschnacker, der schon einige Male in Garrel zu Besuch war. Und er ist Football-Fan und erklärt uns zusammen mit Wolfgang die Regeln.
Dieser junge Packers-Fan zeigt uns die wortwörtliche Bedeutung des schönen Begriffs "Dreikäsehoch".

Der Käsehut lässt Fragen aufkommen, die aber beantwortet werden können: Wisconsin ist landesweit bekannt für seine umfangreiche Käseproduktion. Der Staat produziert einen großen Anteil des amerikanischen Käses. Der Begriff "Cheesehead" (Käsekopf) wurde ursprünglich von Fans anderer Football-Teams, insbesondere aus Illinois, z.B. die Chicago Bears, als abfällige Bezeichnung für die Fans aus Wisconsin verwendet. Dies sollte auf die ländliche Natur und die Käseindustrie des Staates anspielen und die Leute als etwas rückständige Landeier verunglimpfen. Anstatt sich aber von dem Begriff beleidigen zu lassen, haben die Menschen in Wisconsin, allen voran die Packers-Fans, ihn als Zeichen des Stolzes angenommen. Sie drehten die Beleidigung um und machten sie zu einem positiven Identifikationsmerkmal. Die legendären Käsehüte gibt es seit 1987. Sie wurden von Ralph Bruno aus Milwaukee erfunden. Er verwendete Schaumstoff und schnitt ihn zu einem Käsekeil, den er dann gelb bemalte, um Cheddar darzustellen, und machte daraus den legendären Hut.

Besuch beim indigenen Stamm der Menominee in deren Reservat.
Auf etwas mehr als 900 Quadratkilometern leben hier etwa 8.700 Stammesmitglieder.
Durch das Reservat fließt der Wolf-River.
David J. Grignon, ein sogenannter Preservation Officer, gab uns viele interessante Informationen über das Reservat und den Stamm der Menominee.

Die Menominee sind einer der wenigen Stämme, deren Ursprungsgeschichten darauf hindeuten, dass sie schon immer in Wisconsin lebten. Ihre Schöpfungsgeschichten verorten ihre Entstehung am Mündungsgebiet des Menominee Rivers. Im Laufe des 19. Jahrhunderts mussten die Menominee erhebliche Teile ihres Landes abtreten. Dennoch weigerten sie sich, das Gebiet zu verlassen, was letztlich dazu führte, dass sie 1950 ihre Anerkennung als Stamm verloren und das Reservat aufgelöst wurde. Erst 1973 erhielten sie diese Anerkennung durch den "Menominee Restoration Act" zurück. Das "College of Menominee Nation", gegründet 1993, ist eine wichtige Bildungseinrichtung, die sich der Förderung der Menominee-Kultur widmet.

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12. September: Wausau

Etwa 150 km von Green Bay entfernt liegt unsere nächste Reisestation: Wausau im Marathon County. Der Name hat seinen Ursprung in der Sprache der indigenen Bevölkerung und bedeutet sowohl "Weit entfernter Ort" als auch "Lärm wie Donner". Damit ist das Geräusch des Wassers gemeint, das über die Stromschnellen des Wisconsin River rauscht. Hier wurde 1840 die erste Sägemühle erbaut, 12 Jahre später war Wausau schon ein kleines Dorf. Durch Zuwanderung vieler Deutscher, vor allem aus der preußischen Provinz Pommern, erhöhte sich die Einwohnerzahl deutlich und aus dem Dorf wurde 1872 bereits eine Stadt, deren erster Bürgermeister, August Kickbusch, deutschstämmig war. Heute hat Wausau etwa 40.000 Einwohner. Die Einwanderer brachten nicht nur ihre Sprache und Bräuche mit, sondern benannten auch ihre neuen Gemeinden nach den Orten, die sie verlassen hatten. Dies führte zur Entstehung von kleinen Siedlungen wie Stettin, Hamburg und Berlin. Heute erinnert  der Pommersche Verein Central Wisconsin an die pommersche Kultur. DuWayne Zamzow vom Verein begleitet uns den ganzen Tag und wird uns auch die drei kleinen, nach Großstädten in Deutschland und Polen benannten Orte zeigen.

DuWayne Zamzow vom Pommerschen Verein Central Wisconsin begleitet uns heute
"Garri", unser neues Maskottchen. Es wurde uns in Culvers Restaurant geschenkt.

Mittags kehren wir in Culvers Restaurant in Wausau ein. Culvers ist eine beliebte Restaurant-Kette, die für ihre ButterBurgers (Hamburger mit extra viel Butter), frittierten Kabeljau und Frozen Custard (eine besonders cremiger, eisgekühlter Pudding aus Milch, Sahne, Zucker und Eigelb) bekannt ist. Derart kalorienreich gestärkt, zeigt uns DuWayne Zamzow bei einer Busfahrt die Stadt. Besonders stolz ist er auf den Neubau des Heimathauses in Wausau. Das Gebäude hat etwa 8,7 Millionen Dollar gekostet und wurde allein durch Spenden finanziert, die innerhalb von nur anderthalb Jahren zusammengetragen wurden. Unser Augenmerk gilt aber vor allem den Dörfchen Stettin, Hamburg und Berlin. Sie liegen alle nur wenige Kilometer nördlich von Wausau und sind Teil der ländlichen Landschaft, die von Wäldern, Holz- und Landwirtschaft geprägt ist. Traditionell spielt die Milchwirtschaft eine große Rolle, aber auch der Anbau von Feldfrüchten wie Mais, Sojabohnen und verschiedenen Gemüsesorten ist verbreitet.

Auf dem Weg nach Stettin: Sojafelder, so weit man sehen kann.
Hier sehen wir (durchaus überraschend) eine Ginseng-Plantage.
Hier wird der Ginseng geerntet: Die verdorrte Pflanze wird abgeschoben und als Stroh genutzt; erst danach kommt man an die wertvolle Ginseng-Wurzel.

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Besuch in der Gemeinde Stettin
Begrüßung in Stettin...
... durch "Herman the German"
Gruppenfoto in der Kirche
Das Rathaus der Gemeinde Stettin (ca. 2.500 Einwohner)

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Auf zur nächsten Großstadt im Kleinformat: Hamburg. Die Gemeinde ist noch etwas kleiner als Stettin und hat derzeit (laut der offiziellen Webseite) 934 Einwohner. Der Name Hamburg erinnert daran, dass deren Vorfahren, wie viele andere Einwanderer auch, ihre lange und beschwerliche Reise über den Atlantik von der Hansestadt Hamburg aus antraten.
Im Hamburger Heimathaus...
...werden wir mit Kaffee und Kuchen empfangen.
Im Heimathaus (man kann es auf dem "Kaffee-und-Kuchen-Bild im Hintergrund sehen) hängt eine skurrile Werbung aus dem Jahre 1902 für Mader's Restaurant in Milwaukee, dass es übrigens noch immer gibt

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Die dritte Stadt im Kleinformat: Berlin (ca. 1.500 Einwohner)
Im Townhouse von Berlin...
... wurden uns Volkstänze aus Pommern vorgeführt.
Abschiedsfoto vor der Kirche in Berlin
DuWayne Zamzow zeigt uns eine Stele, die an Preußen erinnert
Die Rückseite der Stele

Übersetzt bedeutet der Text auf der Stele:

Pommersche Siedler

1850, mitten im Holzboom Wisconsins
Eine große Gruppe Deutscher half bei der Besiedlung der Lincoln Countys. Diese einzigartige Gruppe stammte aus Pommern, einer ehemaligen preußischen Provinz im heutigen Norddeutschland und Polen. Die Einwanderung hielt mehrere Jahrzehnte lang an. Die größte Bewegung fand jedoch in den 1860er Jahren statt. Diese Siedler aus Deutschland brachten eine starke Arbeitsmoral und feste religiöse Überzeugungen mit. Sie waren Bauern, Holzfäller, Handwerker und Unternehmer. Die Pommerschen sprachen Plattdeutsch, auch bekannt als Niederdeutsch und begründeten mehrere lutherische Kirchen. Die Mitglieder des heutigen Pommerschen Vereins von Central Wisconsin setzen sich für die Erhaltung der Sprache und Traditionen ein, die die Kultur dieser Region geprägt haben. Diese Markierung ist eine Hommage an die Einwanderer, die Central Wisconsin zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Hergestellt 2012

Zum Abschied gibt es Geschenke

Nach den vielen Eindrücken aus Stettin, Hamburg und Berlin geht es zurück nach Wausau, genauer gesagt, nach Schofield, einem Vorort von Wausau. Hier gibt es das D.C. Everest High School Football Team, auch bekannt als die "Evergreens", das ein Heimspiel gegen das Team aus Wausau West hat. Hier erfahren wir nochmals, das Football DAS typische amerikanische Sportevent ist. Zwar steht das Spiel im Vordergrund, aber selbstverständlich wird vor dem Spiel eine Show geboten: ein Marching Band spielt auf und Cheerleader geben ihr Können zum Besten.

Footballspiel mit toller Atmosphäre
Marching Band und Cheerleader
Das Spiel ist auch für Nichtkenner spannend, alle Zuschauer fiebern mit
Emotion pur bei unserer Reisegruppe - am Ende steht es 17:0 für die Evergreens
Für den Sportdirektor der Evergreens gibt es als Geschenk ein passendes Trikot vom BV Garrel

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13. September: The Twin Cities - Minneapolis & St. Paul

Nach den Erlebnissen im beschaulichen Wausau geht es heute etwa 300 km weiter in eine Doppelmetropole: Minneapolis & St. Paul in Minnesota. Während Minneapolis mit etwa 430.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt im Staat ist, ist das kleinere St. Paul mit etwa 310.000 Einwohnern die Hauptstadt von Minnesota. Beide Städte sind im Laufe der Jahre zusammengewachsen und bilden eine der größten Metropolregionen im US-amerikanischen Norden. Die Namen der Stadt Minneapolis und des Bundesstaates leiten sich von der Sprache des Stammes der Dakota ab: "Minne" bedeutet Wasser, "sota" bedeutet trübe oder milchig und "polis" ist das griechische Wort für Stadt. Die Namen deuten den Reichtum an nährstoffreichen (und daher oft etwas trüben) Seen und Flüssen an. Wer sich für Sport und Musik interessiert, mag zwei berühmte Persönlichkeiten kennen, die aus diesen beiden Städten stammen. Lyndsey Vonn, die wohl erfolgreichste Ski-Rennfahrerin aller Zeiten, wurde in St. Paul geboren, und aus Minneapolis stammt der 2016 verstorbene US-Musiker Prince. Es sei schon vorab erwähnt, dass die Meire Grove Band, die wir am morgigen Sonntag besuchen werden, etwas mit Prince gemeinsam haben...

Das Wohngebäude "Eleven of the River", Hausnummer 1111 im River Parkway in Minneapolis
Das Pendant zu unseren heimischen Banken: der Sitz der US-Bank am US-Bank-Plaza
Und noch eine Bank: das Ameririse Financial Center in Minneapolis
In der Ferne ist es bereits zu sehen: das State Capitol in St. Paul
Im State Capitol tagen der Senat und das Repräsentantenhaus von Minnesota
Das State Capitol (Kongressgebäude) des Staates Minnesota in St. Paul
Ein Blick in den Sitzungssaal im Kongressgebäude

Das heutige State Capitol ist bereits das dritte Kapitolgebäude in der Geschichte Minnesotas. Das erste wurde 1881 bei einem Brand zerstört, und das zweite, das nur zwei Jahre später fertiggestellt wurde, war schnell zu klein für die wachsende Staatsregierung. Die beeindruckende Kuppel des Minnesota State Capitols ist die zweitgrößte freitragende Marmorkuppel der Welt. Nur die Kuppel des Petersdoms im Vatikan ist größer. Der Architekt, Cass Gilbert, ließ sich für das Design stark vom Petersdom inspirieren. Der Bau begann 1896 und wurde 1905 abgeschlossen. Die Baukosten beliefen sich auf 4,5 Millionen US-Dollar, was für die damalige Zeit eine immense Summe war (inflationsbereinigt ca. 140 Millionen Dollar - was für heutige öffentliche Bauvorhaben ja schon fast lächerlich wenig ist). Ähnlich wie das Brandenburger Tor in Berlin hat auch das State Capitol eine Quadriga aus vier Pferden, die einen Wagen ziehen: sie thront am Fuße der Kuppel. Eine kuriose Geschichte sei noch erwähnt: Im Jahr 1857 stimmte die Legislativversammlung der Territorialregierung Minnesotas dafür, die Hauptstadt von St. Paul nach Saint Peter zu verlegen. Ein Abgeordneter namens Joe Rolette stahl jedoch den Gesetzestext und versteckte sich damit, um den Umzug zu verhindern. St. Paul blieb daraufhin die Hauptstadt, als Minnesota 1858 ein Bundesstaat wurde.

Luzia, Agnes & Hertha, die 3 Damen vom Grill?!
Natürlich nicht. Es sind die 3 Damen vom Oktoberfest!
Es ist Mitte September, wir sind in Minneapolis, und die Deutsch-Amerikanische Handelsgesellschaft feiert das Oktoberfest mit Alphorn, Dirndl & Paulaner Hefe-Weizen.
Übergabe unserer Grüße und Geschenke für die Deutsch-Amerikanische Handelskammer in Minneapolis (Twin Cities) an Lübbert und Herta Kruizenga.
Der Biergarten ist kaum von bayrischen Biergärten zu unterscheiden. Nur die Dirndl-Dichte ist deutlich geringer als im Süden Deutschlands.

Nach dem Oktoberfest steht ein Besuch im Minnehaha-Park an, ein historischer Stadtpark und beliebtes Ausflugsziel, der für seine 16 Meter hohen Minnehaha-Fälle bekannt ist. Der Name "Minnehaha" kommt aus der Dakota-Sprache und bedeutet "fallendes Wasser". Der Park wurde 1889 offiziell eröffnet und zieht jährlich rund 850.000 Besucher an. Das Herzstück des Parks, der Wasserfall, ist zu jeder Jahreszeit sehenswert. Im Sommer fließt das Wasser, und im Winter frieren die Fälle ein, was eine beeindruckende Eisskulptur bildet. Ein weiteres bekanntes Wahrzeichen des Parks ist die Statue "Hiawatha und Minnehaha". Die Statue symbolisiert eine Szene aus einem amerikanischen Gedicht von 1855, in der Hiawatha, ein Häuptling der Ojibwe, seine frisch vermählte Ehefrau, Minnehaha, eine Dakota-Prinzessin, nach ihrer Hochzeit sicher über die "rauschenden Flüsse" zu seinem Zuhause bringt. Die Statue ist nicht unumstritten, da die Darstellung nicht auf lebenden indigenen Personen basiert, sondern auf alten Fotografien, was bis heute Diskussionen über kulturelle Aneignung und stereotype Darstellungen auslöst. Gleichwohl ist die Statue, ebenso wie der Wasserfall, ein äußerst beliebtes Fotomotiv.

Das Eingangsgebäude zum Minnehaha-Park
Die Statue "Hiawatha und Minnehaha"
Die 16 m hohen Minnehaha-Falls
Der Wasserfall gehört zum Minnehaha-Creek, der zunächst in den Minnesota-River mündet.
Und der Minnesota-River wiederum mündet hinter der Mendota-Bridge in den Mississippi.
Mississippi bedeutet in der Sprache des Stammes der Ojibwe einfach "Großer Fluss"

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14. September: Meire Grove

Heute findet sicher eines der Highlights unserer Reise statt: Ein Besuch im etwa 170 km von Minneapolis entfernten, etwa 180 Einwohner zählenden Örtchen namens Meire Grove. Das Dorf hat deutsche Wurzeln und eine lange musikalische Tradition. Der ursprüngliche Name des Ortes soll "Meyer Grove" gewesen sein, nach der Familie Meyer, die zu den ersten Siedlern gehörte. Eine Anekdote besagt, dass ein Bote, der den Namen beim Gericht registrieren sollte, auf dem Weg dorthin angeblich Durst hatte und diesen in verschiedenen Kneipen stillte, was dazu führte, dass seine Rechtschreibung etwas nachließ... Eine Besonderheit des Dorfes ist die Meire Grove Band. Sie gilt als älteste, ununterbrochen bestehende Stadtkapelle in Minnesota und wurde bereits 1889 von den Meyers gegründet. Noch heute musizieren zum Teil mehrere Generationen von Meyers gemeinsam. Ursprünglich spielte die Band hauptsächlich deutsche Blasmusik, hat ihr Repertoire aber im Laufe der Jahre um Märsche, Polkas sowie Pop- und Rockmusik erweitert. Die Band hat im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche Auszeichnungen erhalten und wurde sogar in die Minnesota Music Hall of Fame aufgenommen - diese Ehrung teilt sich die Band mit anderen Größen der Musik, wie z.B. Prince.

 

Kurt Meyer von der Meire Grove Band hat uns im Bus begleitet und viel über die Geschichte des Dorfes und der Band erzählt.
Und er deutete an, dass das ganze Dorf auf den Beinen ist, inklusive der Kinder, die German Plätzchen gebacken haben.
Zunächst besuchen wir den Gottesdienst in der örtlichen Kirche.
Die Kirche hat den gleichen Namen wie unsere kath. Kirche: St. Johannes Baptist

Wie unser Pfarrer Jörn Illenseer herausgearbeitet hat, gibt es noch weitere Gemeinsamkeiten zwischen Meire Grove und Garrel, als nur den gleichen Namen der beiden Pfarreien; dazu gleich mehr.

Eine Statue von Johannes dem Täufer
Nach dem Gottesdienst: Treffen von über 20 Meyers aus 2 Kontinenten
Wir sind eingeladen zu einem großen Mittagsbufett mit Pfarrer Bechtold
Danach wird musiziert; auch Günter greift zu seiner Trompete
Der Dirigent und die Band freuen sich über unsere Geschenke (besonders über die Amerikatropfen 😉) und bedanken sich herzlich!
Interessante Einblicke in die Geschichte des Dorfes: "CSI Meire Grove"

Die 1911 eröffnete Meire Grove Bank wurde am 12. September und am 12. Oktober 1929 gleich zweimal von Leo Humbert überfallen. Beim ersten Mal erbeutete er 860 Dollar, wurde aber 10 Tage später in Chicago gefasst, weil er Banknoten in seinen Schuhsohlen versteckt hatte. Al Brang, Ed Ortmann, Frone Meyer und Norbert Meyer, allesamt Zeugen des Überfalls, identifizierten ihn nach seiner Rückkehr nach Stearns County aus einer Reihe von Verdächtigen, so dass Humbert überführt werden konnte und ins Gefängnis gesteckt wurde. Dort brach er am 8. Oktober aus und erbeutete 4 Tage später bei seinem zweiten Überfall auf die Meire Grove Bank 141 Dollar. Wieder war Al Brang auf der Straße und bemerkte, wie der Bankräuber ihn beobachtete. Al sah Ed und einen weiteren Kunden mit erhobenen Händen in der Bank und rief sofort die Polizei, die den Räuber nach einer Verfolgungsjagd und einer kurzen Schießerei fassen konnte. 1933 schloss die Bank, aber fast alle bekamen ihr gestohlenes Geld zurück.

Unsere Gastgeber überraschen wir mit Grußworten unseres Bürgermeisters Thomas Höffmann.
Übergabe der Grußworte unseres Bürgermeisters an die Gemeinde Meire Grove.
Pfarrer Bechtold war über die Grußworte unserer Kirchengemeinde sehr gerührt und lässt herzlich Grüßen.
Grußworte unseres Pfarrers Jörn Illenseer (Übersetzung: unten)

Grüße aus der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist in Garrel

Liebe Brüder und Schwestern im Glauben!

Die katholische Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist in Garrel, Deutschland, sendet herzliche Grüße an alle Mitglieder der Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist in Meire Grove, Minnesota. Unsere beiden Pfarrgemeinden verbindet weit mehr als nur der gleiche Name, und es gibt einige interessante Gemeinsamkeiten:

Um 800 n. Chr. wurde der erste Missionsbezirk in unserer Region von Benediktinermönchen gegründet. Als im Herbst 1858, kurz nach der Gründung Ihrer Stadt, die erste Messe in Ihrer Gemeinde gefeiert wurde, wurde diese ebenfalls von einem Benediktinerpater zelebriert. 1872 erbauten Sie die erste größere Kirche in Meire Grove; auch die neue Kirche in Garrel wurde 1872 erbaut. Unsere gemeinsamen Vorfahren haben das christliche Leben über Jahrhunderte hinweg geprägt, sowohl hier in der „Alten Welt“ als auch später in der „Neuen Welt“, und es zu dem gemacht, was es bis heute ist: eine Wertegemeinschaft, die auf der Botschaft Jesu Christi basiert. Wir danken dem Garreler Heimatverein für die Pflege dieser Verbundenheit und die Förderung des Kontakts zwischen unseren Gemeinden! Dies gilt auch für unsere Gemeinde: Fühlen Sie sich jederzeit herzlich willkommen – und wir freuen uns, Sie willkommen zu heißen!

Mit freundlichen Grüßen

Pfarrer Jörn Illenseer

Offizielle Urkunde zum "Garrel Tag" am 14. September 2025

Dieser Sonntag bleibt uns lange in Erinnerung. Das i-Tüpfelchen war dann der Beschluss des Bürgermeisters der Gemeinde, Matt Silbernick, und des Gemeinderates, diesen Sonntag, den 14. September 2025 zum "Garrel Tag" zu ernennen.

Wer in der Urkunde über das Wort "Auflösung" stolpert: Gemeint ist "Beschluss" - das englische Wort "Resolution" kann man sowohl mit "Beschluss" als auch mit "Auflösung" übersetzen. Die Sprache hat nun mal gewisse Tücken, wie ja auch schon der Eingangs erwähnte Gerichtsbote erfahren musste, denn sonst hieße Meire Grove heute wohl Meyer Grove.

Ein großes Dankeschön an unsere Gastgeber für diesen schönen Tag. Die Meire Grove Band postete umgehend ein paar Grüße auf Facebook:

Was für ein toller Nachmittag! Es war uns eine Ehre, unsere Musik mit Freunden aus Garrel zu teilen. Ein besonderer Dank geht an Günter, der nicht nur aus Garrel zu Besuch war, sondern auch mit uns auf der Bühne stand! Danke, dass du den Nachmittag mit uns verbracht hast. Wir haben es sehr genossen, ihn mit dir zu teilen!

Wir wünschen dir weiterhin eine sichere und gute Reise!

Zum Abschied ein Blick auf die extra für uns angestrahlte Kirche. Auf Wiedersehen!

Fotos: Günter Buschenlange & Agnes Meyer

Text: Wolfgang Tönnies, Sept. 2025